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Donnerstag, 19. September 2013

Gestern war ich einfach zu müde, um noch irgendwas zu schreiben, deswegen erst heute der genaue Bericht.

Als Lars und ich gegen 7.15 Uhr auf Station kamen, war Benno schon fertig, hatte sein OP-Hemdchen an, allerdings noch Hose und Socken dazu. Wir versuchten noch mit ihm etwas zu spielen, aber Benno war viel am weinen, da er Hunger hatte, er aber nichts mehr essen durfte. Grausam....

Kurz nach 8.00 Uhr kam Schwester Silvia überraschend und meinte, dass es nun etvl. doch früher losginge. Gegen 8.15 Uhr gab es für Benno dann Dormicum (beruhigt und lässt einen schläfrig werden). Das wirkte aber recht langsam und Benno spielte noch. Irgendwann fing er aber an zu lallen und wir legten ihn dann lieber in sein Bettchen und zogen Hose und Strümpfe aus.

Kurz nach neun ging es dann auch los Richtung OP. Jetzt wurde Benno die Sache doch langsam komisch und er weinte, ließ sich dann aber dadurch beruhigen, dass wir ja mitfuhren.

In der OP-Schleuse angekommen, kamen ein Pfleger, eine Schwester und die Anästhesistin und dann schwupps war er weg....

Nun kam der schwierige Teil: warten auf den erlösenden Anruf. Wir gingen erst raus, um nicht so tatenlos rumzusitzen, ein bisschen spazieren, mussten dann aber bald einsehen, dass es aufgrund des Dauerregens nicht so gut ist. Also fuhren wir ins Möbelhaus und kauften ein. Das mag komisch klingen, aber irgendwie mussten wir uns ja ablenken.

Gegen 11.45 Uhr waren wir aber schon wieder im Elternhaus. Der Kofferraum war voll mit einer Lampe für Schwiegis, einem tollen Stuhl aus der Fundgrube und noch ein paar Kleinigkeiten.

Und dann rief um 12.36 Uhr bereits Schwester Silvia an und sagte, dass alles gut gegangen ist, er noch im Aufwachraum ist und wir in einer Stunde zu ihm auf die Intensivstation können. Welche Erleichterung!!!!!! Er hat alles gut überstanden. Wahnsinn.

Wir gingen noch schnell am Klinikladen vorbei und holten seinen geliebten Schmelzkäse. Auf dem Weg trafen wir den Prof. von der Krebsstation, der uns erzählte, dass er kurz mit bei der OP dabei war und man kaum etwas entfernen konnte, weil alles schon tot (nekrotisch) war und die großen Gefäße von diesem toten, vernarbten Gewebe umschlossen waren, so dass die Gefahr etwas lebenswichtig zu verletzen viel zu groß gewesen wäre. Das gab uns zum einen eine Dämpfer, weil wir natürlich gehofft hatten, dass so viel wie möglich von diesem Scheißtumor entfernt werden würde, andererseits hieß dies ja nun, dass der Tumor tot ist und die Chemos dementsprechend super gewirkt hatten.

Auf der Intensivstation angekommen, mussten wir noch ein bisschen warten, da Benno gerade erst angekommen war und erst an alle Geräte etc. angeschlossen werden musste. Es war ein komisches Gefühl wieder hier auf der ITS zu sein, wo wir soviel Zeit verbracht hatten. Aber andereseits war es für uns auch einfacher, denn wir kannten ja das gesamte Personal und dann war auch Bennos (damalige) Lieblingsschwester Anica gerade da.

Man hatte uns schon darauf vorbereitet, dass er noch beatmet wird und man ihn erst langsam aufwachen lässt. Trotzdem war es ein Schock ihn da so liegen zu sehen. Der kleine Mann in dem Riesenbett, ein Schlauch aus dem Mund schauend. Das Narkosemittel wurde ausgeschaltet und er sollte dann langsam aufwachen. Sowie er aber wacher wurde, wehrte er sich heftigst gegen den Schlauch und den Tubus, würgte und versuchte zu weinen, versuchte den Schlauch zu ziehen. Der Tubus durfte aber nicht gezogen werden, bis er wirklich deutlich wach war. Dazu musste er die Augen aufmachen. Er wehrte sich und wehrte sich, bekam aber die Augen einfach noch nicht auf. Wir redeten beruhigend auf ihn ein, aber es zerriss uns fast, ihm nicht helfen zu können. Irgendwann schaffte er es dann, die Augen deutlich zu öffnen und wir wurden rausgeschickt, damit er extubiert werden konnte.

Als wir dann endlich wieder rein konnten, hielten wir Händchen und streichelten ihm den Kopf. Er jammerte, dass ihm der Bauch weh tut und bekam dann auch noch eine extra Dosis Schmerzmittel. Doch bei jeder Drehung des Kopfes oder der Beine jammerte er wieder. Irgendwann legte ich dann meinen Arm unter seine Beine und später bekam er dann eine zusammengerollte Decke unter die Knie und dann wurde es langsam besser. Wir waren völlig erschöpft und Benno natürlich auch. Er nickte immer wieder ein.

Der operierende Chirurg kam dann noch und erklärte uns, was er gemacht hat. Es war tatsächlich so, dass der Tumor (bzw. die Tumorreste) schon völlig nekrotisch waren und er aufgrund der Verwachsungen und Vernarbungen mit den Gefäßen kaum etwas wegschneiden konnte. Was sie gefahrlos (also ohne Gefäße zu verletzen) entfernen konnten, haben sie rausgeschnitten und weil er einmal dabei war (O-Ton: weil wir den Darm eh schon draußen hatten), hat er auch sich auch gleich noch den Darm inkl. Blinddarm angeguckt, aber da war alles in Ordnung.
Es wurde auch ein Lymphknoten aus dem Bauchraum entfernt, sowie ein großes Stück des Herdes an der Bauchspeicheldrüse. Von allem wurden Gewebeproben entnommen und ins Labor geschickt. Hier erfahren wir (nächste Woche?), ob der Chirurg recht hat und keine aktiven Tumorzellen mehr nachweisbar sind.

Um 17.30 Uhr gingen wir dann. Lars fuhr nach Hause und ich fiel um 20.00 Uhr todmüde ins Bett und habe 10 Stundne durchgeschlafen. Das habe ich schon seit Jahren nicht mehr.

Benno hat einen riesigen Bauchschnitt am Oberbauch. Dies wird entsprechend noch eine Zeit dauern, bis der heilt. Zehn Tage (ab heute nur noch neun, yeah!) muss er im Bett bleiben, kann sich aber ein bisschen drehen und irgendwann auch aufsetzen. Im Moment ist er aber dazu viel zu schlapp und ängstlich, da jede Bewegung weh tut.

Heute soll er im Laufe des Tages 200ml Wasser trinken und wenn diese drin bleiben, darf er morgen etwas essen.